Programm „Neue Nachbarschaftshilfen im Landkreis Stendal (Sachsen-Anhalt)“

Das Programm „Neue Nachbarschaftshilfen“ in Schlagzeilen

  • Geplant ist eine Konzertierte Aktion von Landkreis, Kommunen und ehrenamtlichen Akteuren, um viele neue Nachbarschaftshilfen ins Leben zu rufen.
  • Es wird durch kontinuierliche hauptamtliche Betreuung unterstützt.
  • Es wird von einer Projektsteuerungsgruppe begleitet, in der der Landkreis, ein Bürgermeister, ein Vertreter einer bereits bestehenden Nachbarschaftshilfe und die Stiftung ProAlter ver­treten sind.
  • Träger des Projektes sind die Stiftung ProAlter und das Kuratorium Deutsche Altershilfe.
  • Start des Projekts: Herbst 2011
  • Dauer: bis Dezember 2012

Warum neue Nachbarschaftshilfen?
In den letzten Jahrzehnten hat die durchschnittliche Lebenserwartung stark zugenommen. Immer mehr der heute älteren Menschen erreichen ein sehr hohes Lebensalter. Für viele von ihnen bedeutet dies einen Gewinn an Jahren mit relativ hoher Lebensqualität. Allerdings steigt mit dem Alter auch das Risiko von Verletzbarkeit, häufig chronisch verlaufenden Krankheiten und Pflegebedürftigkeit. Deshalb wird im Hinblick auf die wachsende Zahl der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen der Bedarf an sozialen Hilfeleistungen stark steigen. Und da abzusehen ist, dass die heute vorhandenen personellen und materiellen Ressourcen nicht in gleichem Maße mitwachsen, sondern abnehmen werden, ist die Weiterentwicklung und Nutzung personaler Hilfen älterer Menschen erforderlich.

„Das hilfreiche Alter hilfreicher machen“ ist Motto und Aufgabe der Stiftung ProAlter. Unter hilfreichem Alter verstehen wir die Aktivitäten von Menschen etwa ab dem 60. Lebensjahr, deren Leben heute zumeist nicht mehr von Erwerbstätigkeit und/oder Kindererziehung geprägt ist. Viele sind helfend für andere tätig, vor allem in der Familie, aber auch in der Nachbarschaft, im generationenübergreifenden Engagement, in Besuchsdiensten verschiedener Träger und in Heimen – allein oder gemeinsam mit anderen, privat oder in organisierter Form. Die wechselseitige Hilfe von älteren Menschen für Ältere ist schon heute eine sehr bedeutende und noch wachsende Ressource sozialer Hilfeleistungen in unserer Gesellschaft. Es gibt eine ganze Palette von Hilfen im Rahmen des „hilfreichen Alters“. Aber sie werden nach unserer Einschätzung nicht ausreichen, um den mittel¬fristig noch wachsenden Bedarf decken zu können. Mit dem Programm „Neue Nachbarschaftshilfen im Landkreis  Stendal“ will die Stiftung ProAlter dazu beitragen, Selbständigkeit und Lebensqualität zu Hause lebender älterer Menschen mit Hilfebedarf zu erhalten und zu fördern, indem Hilfemöglichkeiten aus der älteren Generation selbst erschlossen und nachhaltig gestärkt werden.

Neben einer Analyse der Daten zur Bevölkerungsentwicklung sollen im Landkreis bereits bestehende Initiativen und Projekte daraufhin untersucht werden, inwieweit sich daraus Anregungen für weitere Initiativen des hilfreichen Alters ergeben könnten. Ferner werden Erfahrungen aus anderen Landkreisen in den Vorschlag für das Programm einbezogen.

Nutzung gewonnener Erfahrungen
Bei der Erarbeitung des Programms wurde besonderer Wert darauf gelegt, eine Form der Entwicklung der Potentiale von älteren Menschen für ältere Menschen zu finden, die an der Alltags¬erfahrung vieler Menschen ansetzt und durch einen möglichst geringen administrativen Aufwand gekennzeichnet ist. Dabei erwies sich der Begriff „Nachbarschaftshilfe“ als sinnvoll. Er entspricht der Erwartung vieler Menschen und kennzeichnet zudem das, was viele Menschen grundsätzlich zu leisten bereit sind. Dieser Grundgedanke ist auch in den bestehenden Initiativen im anderen Land¬kreisen und Städten enthalten. Somit liegt es nahe, sich in diesem Programm wesentlich darauf zu beziehen. Der Vorschlag der Stiftung ProAlter enthält Elemente einer Vervielfältigung des Erfahrungswissens der Initiativen.

Die Erfahrungen bestehender Nachbarschaftsvereine sollen genutzt werden. Deren Aufgaben sind:
Besuche
- zur Beratung in der Wohnung, - zur Entlastung pflegender Angehöriger
- zur Überwindung von Vereinsamung

Begleitung
- bei Behördengängen und Arztbesuchen

Hilfen
- bei der Erledigung von Schriftverkehr

Fahrdienst
- zu Veranstaltungen,
- zu Arztbesuchen und Einkäufen

Vermittlung
- von Hilfen im Haushalt,
- von Pflegehilfen,
- von Essen auf Rädern

Information
- zu Fragen des Älterwerdens,
- zu vorhandenen Pflegeeinrichtungen
- zu Fragen des Betreuungsrechts

Umsetzung des Programms
Die Nutzung des Begriffs „Nachbarschaftshilfe“ macht deutlich, dass auf eine bewährte Tradition im ländlichen Raum zurückgegriffen wird, die auch in vielen Programmen zum ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagement immer wieder Erwähnung findet.

Es bieten sich mit strukturierenden Vorschlägen Möglichkeiten, in Kooperation mit dem Landkreis, den Gemeinden und weiteren regionalen und lokalen Akteuren einen möglichst raschen Aufbau weiterer Nachbarschaftshilfen anzuregen, indem der Aufbauprozess durch die Stiftung ProAlter gefördert wird. Eine hauptamtliche Kraft wird diesen Prozess begleiten und unterstützen, ohne dass den beteiligten Gemeinden finanzielle Verpflichtungen entstehen. Das differenzierte Programm, das sich methodisch anlehnt an den Aufbau von Generationenhilfen in einem hessischen Landkreis, wird sich vor allem auf folgende Arbeitsbereiche konzentrieren:

  • Ziele und Zielgruppen,
  • Organisationsform und Namensfindung,
  • Öffentlichkeitsarbeit,
  • Vernetzung und Kooperation,
  • Förderung von Gemeinschaft und Anerkennungskultur,
  • Fortbildung und Erfahrungsaustausch,
  • Finanzierung und Versicherung.

Kontakt der Stiftung für dieses Projekt:
Klaus Großjohann
0228-440696
kwgbonn@hotmail.com

Projektbeauftragte für den Landkreis Stendal:
Marion Kristin Mohr
0171/30 94 583

Download:
Kurzinformation zum "Programm Neue Nachbarschaftshilfen im Landkreis Stendal"
(PDF, Stand November 2011)